» Vivienne Westwood

Ach, was soll ich sagen, diese Frau hat es einfach drauf.

Westwood Laden in London © flickr / ktylerconk

Ihr müsst euch unbedingt diese Show ansehen, dann werdet ihr spätestens wissen, was ich meine. Sie wurde 1941 als Vivienne Isabel Swire in England geboren und hat ihr Talent wohl von ihrer Mutter, welche Weberin war.
“Women’s Wear Daily” ernannte sie übrigens zu einer der wichtigsten Modeschöpfer unserer Zeit. In Wien hat sie mal als Gastdozent gearbeitet und referierte unter anderen über Vintage. Ich will gar nicht wissen, wie voll diese Hörsäle gewesen sein müssen.

Nun aber viel Vergnügen mit der Show.

Ihr Name ist Legende, ihre Kleidung erst recht! Vivienne Westwood ist die Designer aus England.

Wenn man sie auf der Straße treffen würde, könnte man sie nicht übersehen. Mit ihren gold-orangenen Haaren und extravaganten Outfits, stielt sie jedem die Show. Sie zählt neben  Lagerfeld und Armani zu den sechs wichtigsten Modedesigner, die es zur Zeit gibt. Auf der Mercedes-Benz Fashion Week war die Grande Dame der britischen Modewelt sogar persönlich zu gast. Frau Westwood ist einmalig in Sachen Kreativität und Punk. Viele Nachwuchsdesigner haben sie als Vorbild und das mit Recht! 

Gestern Abend war in Berlin Premiere des Films zur Serie “Sex and the City” – ein paar Worte zum Film und seinen “fashion-victims”.

Sarah Jessica Parker unterwegs ;) flickr©lauramheppDie vier Hauptdarstellerinnen Sarah Jessica Parker, Kim Cattrall, Cynthia Nixon und Kristin Davis Stilecht stöckeln seit vielen Staffeln durch die Welt und die Fernseh-Betten Amerikas ;) und nun endlich – der Film! Vier Jahre nach der letzten Staffel der Kultserie “Sex and the City” kommen die Damen zurück, diesmal auf der Kinoleinwand.

Die London Fashion Week mit Mode für die Herbst/Winter-Saison 2007/2008.

Ich bin ja bekennender Fan Londons und einiger exzentrischer Persönlichkeiten, die “Great-Britain” so hervorgebracht hat.
Aber London hat es nicht einfach in der Mode-Welt, gegen Paris oder Mailand anzukommen, ist ein harter Kampf. Besonders zur Zeit, da die Amerikaner große Angst vor der “bösen” drohenden Rezession haben, bleiben auch schon mal die wichtigen Einkäufer weg. Obwohl Vivienne Westwood erstmals wieder ihre neue Kollektion (Red Label) in “good old London town” zeigte, ist die Frage, ob man neue Käuferschichten erschließen kann, vielleicht osteuropäische Kunden? Die scheinen eine Vorliebe für den exzentrischen Style zu haben – nun, ich drücke die Daumen.

Meine liebsten und schönsten Kleider habe ich in London gekauft, so was kriegt man hier einfach nicht.

Doch zurück zur Modemesse, die Röcke für den kommenden Winter sind richtig kurz – brrrrr – aber schick ;) Ein gewisser Hang zur Asymmetrie ist zu beobachten, einige wirklich skurrile Kopfbedeckungen waren auch dabei…Nun, in London haben Hüte ja einen ganz anderen Stellenwert als hierzulande, schade eigentlich.

Vivienne Westwood Plakat © flickr / udono

“Vivienne Westwood” hat auch wieder eine Botschaft parat, extra für die Show entworfene Unterhosen in “Guantánamo Orange”, diese wurden wiederum von der Menschenrechtsorganisation “Reprieve” in Zusammenarbeit mit Agent Provocateur entworfen. Darauf stand ein Statement, das sinngemäß bedeutet, dass “der Begriff “fairer Prozess” ja wohl “für den Arsch sei”. Das spielt natürlich auf die Nicht-Einhaltung der Menschenrechte auf Guantánamo an. Ansonsten zeigte Westwoods erster Auftritt seit neun Jahren in London Entwürfe in bekannter schriller Punk-Manier, aber auch figurbetonte Wollkleider, die allseits beliebten Overknee-Stiefel und natürlich wieder traditionelle Schottenmuster.

Persönlicher Blick auf die exzentrische Designerin Vivienne Westwood.

Eine meiner liebsten Beschäftigungen ist, zu schauen, was gerade “en vogue” ist. Nicht, weil ich sofort losgehen will, um all die neuen Trendklamotten einzukaufen, sondern um mich davon inspirieren zu lassen. Denn, sein wir mal ehrlich, mich kleidet einfach nicht alles, was gerade “in” ist. Mal ganz abgesehen davon, dass mir auch nicht alles gefällt…

Vivienne Westwood ist eine Person, die einem genau das beibringen kann: Schau, was Dir gefällt, ob es Deine Vorteile zur Geltung bringt, und dann trage es mit Stolz.
Natürlich ist sie in erster Linie eine Designerin, die mit ihren Entwürfen einen Teil der Modewelt bestimmt und ihre Kollektionen verkaufen will.

Aber sie spricht mich als Persönlichkeit an, sie ist exzentrisch, sie erachtet Mode als IHR Mittel zum Zweck und sie ist wirklich wandlungsfähig.
Die 1941 geborene Modeschöpferin eröffnete 1971 mit “Waltz-with-me”-Malcolm McLaren, ihrem damaligen Ehemann, ihre erste Boutique, in der hauptsächlich Ted-Mode über den Tresen ging. Nach einigen Wandlungen wurde daraus dann schließlich eine Dessous-Boutique mit S&M-Touch. Dann gab es weitere Wandlungen des Stils und Sortiments mit klangvollen Boutique-Namen.
Erst 1981 ging sie mit einer professionellen Kollektion an den Start, die sich dem Piratenlook annäherte. Dann kamen weiter Kollektionen, zahlreiche Inspirationen, ob nun beim Rokoko oder bei Clint Eastwood zeigen, wie souverän sie sich in der Kostümgeschichte bewegt und nicht zuletzt ihren Sinn für Humor.
Vivienne Westwood ist nicht nur eine “Queen of Punk” sondern eine schillernde Persönlichkeit mit Ecken und Kanten, die in letzter Zeit verstärkt politische Ereignisse mit ihren Kollektionen kommentiert oder als ein neueres Statement aus Tier- und Artenschutzgründen künftig auf den Einsatz von echten Pelzen verzichtet.

Nachdem sie einige Jahre unter anderem in Berlin einen Lehrauftrag hatte, hatte sie im November 2007 wieder einen Auftritt in Berlin, im Rahmen der “Berliner Lektionen”, bei dem sie ihr Manifest vorstellte. Es handelt sich, vereinfacht gesagt, um einen Appell sich gegen Propaganda jeglicher Art zu wehren und sich nicht dem Konsumterror zu ergeben.
Das löst natürlich ambivalente Reaktionen aus, aber nichtsdestotrotz: Ich mag Exzentriker, besonders, wenn sie gut gekleidet sind.